Instagram ist derzeit überflutet von Bildern mit plastiküberschwemmten Meeren und darunter leidenden Tieren. Oft vergessen wir aber, dass nicht nur unser Verpackungsmüll die Umwelt enorm belastet, sondern dass wir auch mit den Lebensmitteln selbst häufig alles andere als nachhaltig und ressourcenschonend umgehen. Egal ob Verpackung oder Lebensmittel: Aus den Augen, aus dem Sinn, sobald wir unseren Müll rausgebracht haben, denken wir nicht weiter daran. Die Folge sind 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel, die jährlich weltweit weggeschmissen werden. Das entspricht rund einem Drittel der globalen Nahrungsproduktion, bei den Industrienationen steigt dieser Wert sogar auf bis zu 50% an. Bei uns in Deutschland landet also rund die Hälfte aller produzierten Lebensmittel im Müll.

Insgesamt verwenden wir jährlich eine Bodenfläche so groß wie Mexiko für den Anbau von Nahrungsmitteln, die letztendlich weggeschmissen werden. Nicht nur die Bodenqualität der Anbauflächen verschlechtert sich so immer weiter, ohne dass wir daraus – zumindest kurzfristig – profitieren würden: Auch Unmengen an Wasser und die für Ernte, Transport und Verarbeitung aufgebrachte Energie wandern mit den Lebensmitteln direkt in die Tonne. Wenn wir Lebensmittel wegschmeißen, verbrauchen diese aber letztendlich sogar noch mehr Ressourcen, als wenn wir sie essen. Denn auch  für den Abtransport und die Verwertung unseres Mülls wird natürlich wieder Energie benötigt.

Natürlich tragen zu dieser Lebensmittelverschwendung nicht nur wir Endverbraucher, sondern auch die Produzenten, Handelspartner und Gastronomiebetriebe einen entscheidenden Teil bei. Das befreit uns aber nicht von der Pflicht, selbst aktiv zu werden. Jeder eizelne von uns ist  ein Teil dieses Problems und muss zwangsläufig auch ein Teil der Lösung sein. Deswegen stelle ich dir heute 8 Tipps und Denkanregungen vor, wie du die Menge an Lebensmitteln in deiner Mülltonne reduzieren kannst.


1. Mindesthaltbarkeitsdatum überdenken

Aufbewahrungsgläser auf einem Tisch

 

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sagt nur bis wann ein Produkt seine spezifischen Eigenschaften mindestens beibehält, nicht ab welchem Zeitpunkt ein Lebensmittel in den Müll gehört. Spezifische Eigenschaften können zum Beispiel die Konsistenz, Farbe, der Geschmack oder die Nährwerte sein. Fast alle Nahrungsmittel sind aber noch – teilweise weit – über das Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar. Manche Lebensmittel wie zum Beispiel Reis, Zucker, Ahornsirup oder Salz sind bei richtiger Lagerung sogar ewig haltbar. Auch Getreideerzeugnisse wie Mehl, Nudeln oder Hafer halten sich noch mehrere Monate über das MHD aber auch frische Produkte wie Milch oder Eier kannst du oft noch bis zu einen Monat nach Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatum bedenkenlos genießen. Probiere doch bei Eiern einfach mal diesen Trick hier aus!*

Generell sollten wir viel mehr auf unseren Geschmacks- und Geruchssinn als auf 8 kleine Zahlen auf der Verpackung vertrauen. Schmeckt oder riecht ein Produkt komisch, hat es sich stark verfärbt oder seine Konsistenz verändert, solltest du es besser wegschmeißen. Wenn nicht, dann ab auf den Teller damit!

Aber Achtung: Neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum gibt es auch noch das Verbrauchsdatum. Wenn ein Produkt mit zu verbrauchen bis … deklariert ist, solltest du es wirklich vor dem angegeben Datum essen, da es danach sehr schnell verdirbt.


2. Vorrausschauend einkaufen gehen

Einkaufskorb

 

Genauso wie du dich nicht blind dem Mindesthaltbarkeitsdatum untergeben brauchst, muss im Supermarkt auch nicht immer unbedingt das frischeste Produkt in deinem Einkaufskorb landen. Keine Sorge, ich rate dir jetzt nicht dazu, braune Bananen und matschige Äpfel zu kaufen (außer du möchtest Bananenbrot backen). Aber wenn du (Soja)Joghurt, Milch oder andere verpackte Lebensmittel mit dem Wissen einkaufst, dass du sie sehr zeitnah verwenden willst, musst es nicht immer das Produkt mit dem längsten MHD sein. Nimm stattdessen doch einfach ein Produkt mit einem kürzeren Mindesthaltbarkeitsdatum, damit der Supermarkt keine Lebensmittel wegschmeißen muss, die das MHD überschritten haben. Am Geschmack des Lebensmittels wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Unterschied merken.


3. Produkte zweckentfremden

Selbstgemachter Brotaufstrich Nudeln auf Gabel

 

Du hast noch eine halbes Glas Brotaufstrich im Kühlschrank stehen, aber kein Brot mehr da? Dann benutz es doch zum Beispiel als Pesto zu Nudeln! Auch in Gemüsepfannen eignet sich Aufstrich gut als würzige Soße. Übriggebliebenes eher geschmacksneutrales Gemüse wie zum Beispiel Gurken, Zucchini oder Blumenkohl eignet sich perfekt zum Strecken von Smoothies, ohne dass du dabei groß an Geschmack einbüßen musst. Mit angebrochenen Lebensmitteln kreativ zu werden, ist eine der besten Möglichkeiten sie vor der Mülltonne zu retten. Und vielleicht findest du so ja sogar ein auf verrückte Art und Weise ein neues Lieblingsessen!


4. Frische Lebensmittel nach hinten in den Kühlschrank stellen

Kühlschrank

 

Die Supermarktregale werden immer von hinten eingeräumt, damit die Lebensmittel mit kürzerem MHD vorne stehen und zuerst gekauft werden. Mach das Ganze in deinem Kühlschrank daheim doch genauso! Wenn wir unseren Kühlschrank einräumen stellen wir meistens die neuen Sachen ganz nach vorne und die älteren und offenen Lebensmittel verschwinden dahinter. Kein Wunder, dass wir dann vergessen, was vor dem Einkauf eigentlich noch alles im Kühlschrank war. Stattdessen platziere die alten Lebensmittel gut sichtbar vorne im Fach damit du sie zuerst isst, bevor du etwas Neues öffnest.


5. Obst und Gemüse mit Makeln kaufen

Gemüse

 

Ein strahlendes Erscheinungsbild, perfekte Maße und bloß keine Dellen sind schon lange nicht mehr nur Erwartungen in der Modewelt. Auch wir rümpfen im Supermarkt die Nase, wenn ein Produkt nicht perfekt aussieht. Dabei brauchen wir dringend auch mehr Akzeptanz im Supermarkt! Ein Großteil einwandfreier, frischer Lebensmittel wird im Vorfeld bereits vom Produzenten und dem Supermarkt weggeschmissen, nur weil die Gurke zu krumm oder der Apfel nicht rund genug ist. Entscheidend ist: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Würden wir Konsumenten Obst und Gemüse mit Missbildungen genauso kaufen wie die schöneren Kollegen, gäbe es keinen Grund mehr für diese Vorselektion. In Geschmack, Frische und Qualität steht das Ugly food dem Konventionellen nämlich natürlich in nichts nach.


6. Lebensmittel ganz verwenden

Rote Beete Grüner Salat

 

Karottengrünpesto, Pfeffer aus Papaya Kernen oder Kürbiskerne als Snack zwischendurch. Gerade bei Gemüse ist es für uns mittlerweile selbstverständlich, oftmals einen (Groß)Teil der Pflanze direkt wegzuschmeißen anstatt ihn zu verwerten. Bei der Schale von Äpfeln und Co. angefangen, wandern mit Karottengrün und Kürbiskernen natürlich auch wertvolle Nährstoffe direkt in den Müll.  Bevor du das nächste Mal also anfängst Obst oder Gemüse zu schnibbeln, halte kurz inne und überlege wie du möglichst viel von der Pflanze verwenden kannst. Aus dem Grünteil der Karotte kannst du zum Beispiel Pesto machen oder es kleingeschnitten über Salate und Suppen geben. Papaya Kerne eignen sich im Ofen getrocknet wunderbar als exotischer Pfefferersatz und auch mit Zitronen kann man sehr viel mehr machen, als nur ihren Saft zu verwenden. Seit ich das Buch How not to die von Michael Greger gelesen habe, häcksele ich immer die ganze Zitrone im Mixer anstatt nur den Saft zu verwenden. Viel weniger Abfall und gleichzeitig mehr Nährstoffe!


7. Lebensmittel richtig lagern

Kiste mit Äpfeln und Basilikum

Das Naheliegendste zum Schluss: Je besser du deine Lebensmittel lagerst, desto länger bleiben sie frisch und somit landet weniger im Müll. Zum Thema richtige Aufbewahrung von Lebensmitteln habe ich hier vor kurzem einen ganzen Artikel geschrieben. Wenn dich interessiert warum Tomaten auf keinen Fall in den Kühlschrank gehören und du  Äpfel und Bananen besser getrennt voneinander lagern solltest, schau hier vorbei!


8. Und wenn doch mal etwas übrig bleibt...

… dann überleg dir frühzeitig wie du die Lebensmittel vor dem Müllsack retten kannst. Obst- und Gemüsereste lassen sich genauso wie übrig gebliebenes Brot oder Gebäck einfrieren und bei Bedarf wieder auftauen. Und wenn dir wirklich gar nichts mehr einfällt: Auch Salat- und Krautreste (auch die Stängel), Knollen und Wurzeln kannst du für selbstgemachte Gemüsebrühe im Tiefkühlfach lagern.


*Du fragst dich, warum ich auf einem veganen Blog über Lebensmittel tierischen Ursprung rede? Gerade bei tierischen Produkten liegt mir ein achtsamer Umgang damit besonders am Herzen. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn möglichst viele den Konsum boykottieren würden. Ein erster Schritt ist es aber auch, diesen Nahrungsmitteln einen höheren Stellenwert zu geben und sie bewusster zu konsumieren.  Besonders bei Eiern, Milch und Co. ist es mir daher wichtig, dass sie nicht im Müll landen, deswegen gehe ich in diesem Beitrag auch auf tierische Nahrungsmittel ein, obwohl ich sie selbst nicht konsumiere.