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Nachhaltigkeit / Unternehmen

Share, Soulbottles und Co. – Haben Sozialunternehmen eine Chance auf dem Markt?

Große Lebensmittelkonzerne, deren Produkte die Regale von Supermärkten und Discountern dominieren, stehen immer wieder in der Kritik. Zu diesen gehören auch Nestle und Unilever, welche wegen dem Einsatz von Kinderarbeit und den Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt stark angeprangert wurden. Wenn Konsumenten solche Unternehmen nicht mehr unterstützen wollen, können sie die Produkte einer anderen Art von Unternehmen kaufen: Sozialunternehmen, die sich für mehr Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit auf dem Markt einsetzen. Immer mehr solcher Unternehmen wecken das Interesse der Menschen. Gerade Firmen wie Share oder Manomama zeigen, wie erfolgreich Unternehmen sein können, die Verantwortung für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktion übernehmen. Dinge, die absolut normal sein sollten. Aber haben solche Unternehmen wirklich eine Chance auf dem Weltmarkt? Wir wollen dir heute aus wirtschaftlicher Sicht zeigen, welchen Unterschied Sozialunternehmen machen und auf welche Herausforderungen sie dabei stoßen.

1. Unternehmen übernehmen Verantwortung

Der Klimawandel wird als eine der größten Herausforderungen der Menschheit angesehen. Daneben existieren globale Probleme wie Armut oder wirtschaftliche Krisen. Nachhaltigkeit wird dabei zum Schlüsselbegriff. Diese begründet sich auf drei Säulen: Der ökonomischen, ökologischen und sozialen. Um diesen globalen Problemstellungen zu begegnen müssen also Lösungen gefunden werden, die von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft geleistet werden können. Vor allem die Wirtschaft scheint eine nachhaltige und gerechte Zukunft im Wege zu stehen. Ausbeutung von Arbeiter*innen und die Zerstörung der Umwelt scheinen viele Unternehmen bei der Aussicht auf Gewinne in Kauf zu nehmen. Allerdings gibt es immer mehr Unternehmen, denen ihre Verantwortung für das eigene Handlen und die Gesellschaft bewusst wird und die keine rein auf Profit ausgerichtete Unternehmensphilosophie verfolgen wollen: Sogenannte Sozialunternehmen.

2. Was sind Sozialunternehmen?

Sozialunternehmen wollen mit ihrer Unternehmenstätgkeit einen sozialen Mehrwert schaffen. Dabei operieren sie in Nischen (wie z.B. faire oder nachhaltige Produkte). So setzen sie sich mit ihrer Unternehmensphilosophie z.B. gegen Armut, für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung von Nachhaltigkeit in Unternehmen ein. Innerhalb der EU sind Sozialunternehmen durch drei Dimensionen definiert, in denen sie agieren:

  • eine unternehmerische durch die Präsenz auf dem Markt
  • eine soziale, um einen positven sozialen Output aus dem Kerngeschäft zu erzielen
  • eine Governance-Dimension, die sich auf Verpflichtungen gegenüber dem Staat bezieht (z.B. Offenlegung von Zahlen und Transparenz)

3. Was unterscheidet Sozialunternehmen von konventionellen Unternehmen?

Mit ihrer Art zu Wirtschaften wollen Sozialunternehmen einen positiven Wandel herbeiführen. Natürlich besteht ihre primäre Zielsetzung darin, auf dem Markt zu bestehen. Darin sind sie konventionellen Unternehmen gleich. Die größten Unterschiede zum Rest des Marktes liegen in folgenden Charakteristiken sozialer Unternehmen:

  • Die Zielsetzung – Sozialunternehmen wenden sich einem bestimmten Problem zu und versuchen durch die Unternehmenstätigkeit dieses zu lösen, z.B. das Unternehmen monomama beschäftig Menschen, denen auf dem Arbeitsmarkt zu oft keine Chance gegeben wird wie Langzeitarbeitslosen oder Leuten mit Handycap
  • Der Charakter der Produkte – Der Fokus vieler Sozialunternehmen liegt auf der transparenten Herstellung qualitativ hochwertiger Produkte, z.B. das Unternehmen Soulbottles deren plastikfreie Trinkflaschen lange halten sollen um der Plastikverschmutzung entgegenzuwirken
  • Die kooperative Zusammenarbeit mit anderen Interessengruppen – Das Sozialunternehmen sucht sich Partner, die an der Bekämpfung des Problems konkret arbeiten und unterstützt diese mit den durch den Verkauf erzielten Einnahmen, z.B. das Unternehmen share arbeitet mit zahlreichen Partnern zusammen um gegen Armut vorzugehen

4. Wie Sozialunternehmen immer mehr Kunden gewinnen

Sozialunternehmen verkaufen Produkte, welche einen bestimmten Mehrwert für Menschen oder die Umwelt schaffen. Keines der oben genannten Unternehmen unterscheidet sich vom Rest des Marktes durch ein hohes Maß an Innovation, sondern vielmehr durch die Befriedigung eines Kundenbedürfnisses nach nachhaltigen und fairen Alternativen zu dem restlichen Marktangebot. Wenn sich Sozialunternehmen auf die Lösung von Proplemen durch Produkte fokusieren, können sie damit die Kunden anziehen, die mit dem bisherigen Angebot nicht zufrieden sind, weil ethische Werte außen vor bleiben. Da die Öffentlichkeit die Auswirkungen des Klimawandels oder von Armut in Form von Migration spürt, werden Produkte mit Sinn immer beliebter.

5. Wieso der Markt trotzdem noch von Unternehmen wie Primark beherscht wird

Natürlich gibt es aber auch viele Hindernisse, denen Sozialunternehmen am Markt begegnen. Wegen den fairen Produktionsbedingungen sind Produkte von Sozialunternehmen oft teurer. Diese können nicht mit den Preisen großer Unternehmen mithalten, wodurch der Kauf ihrer Produkte vielen Kunden verwehrt bleibt. Unternehmen, die Natur bewahren und Menschen in Not unterstüzen wollen, können keine ähnlich niedrigen Preise verlangen. Daher ist ihre Kundschaft auf einen kleineren, weniger preissensiblen Teil beschränkt, da für einen großen Teil der Konsumenten der Preis beim Kauf ausschlaggebend ist. Darüberhinaus konzentrieren sich viele Sozialunternehmen auf regionale Probleme und schaffen so nicht den Sprung in den internationalen Markt. Doch die größte Herausfoderung liegt in der Finanzierung. Daran scheitern Sozialunternehmen oft, da sie es nicht schaffen ihre Produkte am Markt zu etablieren. Dies liegt daran, dass die anfänglichen Kosten wie etwa die Erstproduktion, Markting- und Vertriebskosten nicht gedeckt werden können und sie so nie die Chance bekommen ihre Produkte zu verbreiten. In Deutschland können für solche Fälle Finanzierungshilfen beantragt werden. Ohnen solche Hilfen könnten es viele Sozialunternehmen zu Beginn nicht schaffen, auf dem Markt zu bestehen.

6. Wir Konsumenten sind gefragt!

Inwieweit Sozialunternehmen mit konventonellen Unternehmen konkurrieren können hängt von
zahlreichen Faktoren ab. Aus rein ökonomischer Sicht können sie das kaum, da sie viel höhere Kosten bei der Produktion tragen. Auch Sozialunternehmen wollen Gewinne erzielen, jedoch ohne die Ausbeutung von Menschen oder der Umwelt. Stattdessen schaffen sie Konsumalternativen, die Teil eines nachhaltigen Wandels sind und die Konsumenten als auch den restlichen Markt für Handlungsalternativen inspirieren können. Wir als Konsumenten können sie dabei mit jedem Griff ins Regal unterstützen. Je mehr wir das Handeln von Unternehmen hinterfragen und Verantwortung für unseren Einkaufswagen übernehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Griff ins Regal irgendwann automatisch ein sozialer ist.

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