Wer anfängt sich über Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung Gedanken zu machen, beginnt damit meistens beim Einkaufen. Den eigenen Stoffbeutel mit in den Supermarkt nehmen, mal Nein zum Plastikstrohhalm zu sagen oder auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse ohne Verpackung einzukaufen sind einfache Schritte, den eigenen Konsum umweltfreundlicher zu gestalten. Daheim in unseren vier Wänden vergessen wir dann aber schnell, dass sich gerade in der eigenen Küche noch vieles optimieren lässt.

Wenn du nicht jeden Tag einkaufen und trotzdem am Ende der Woche noch frisches Obst und Gemüse daheim haben möchtest, solltest du dir deinen Kühlschrank und die dunklen Ecken deiner Speisekammer mal genauer ansehen. Nachhaltigkeit hin oder her, niemand hat schließlich Lust auf schrumpelige Salatblätter und matschige Äpfel, oder?  Wenn du deine Lebensmittel richtig lagerst, halten sie sich länger frisch und du schonst die Umwelt gleich in zweierlei Hinsicht:

  1. Ziemlich offensichtlich: Du musst weniger wegschmeißen. Pro Jahr landen bei uns in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, das sind 313 Kilogramm pro Sekunde! Rund 10 Millionen Tonnen davon wären bereits heute vermeidbar. Neben den Produzenten, den Handelspartnern und den Gastronomiebetrieben können auch wir Privathaushalte uns entscheiden entweder weiterhin zu dieser massiven Lebensmittelverschwendung beizutragen oder  uns ihr – zumindest bedingt –  zu wiedersetzen.
  2. Wenn sich deine Lebensmittel länger halten, gibt dir das aber auch die Möglichkeit, deinen gesamten Wocheneinkauf auf dem Markt zu erledigen und somit auf unverpacktes Obst und Gemüse zurückzugreifen. Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr im Meer, das entspricht einer ganzen Lastwagenladung pro Minute. Um sich gänzlich zu zersetzten braucht Plastik circa 500 Jahre, durch die Strömungen im Meer zerkleinert sich der Plastikabfall aber rasend schnell in unzählige kleine Partikel. Diese sinken ab zum Grund des Meeres und können nur sehr schwer wieder aqus dem Meer gefiltert werden.

Und mal ganz eigennützig gedacht: Je weniger Lebensmittel du wegschmeißt, desto weniger ausgegebenes Geld wandert mit ihnen in den Müll. Wenn du deine Lebensmittel richtig lagerst, kannst du also gleichzeitig auch noch deinen Geldbeutel schonen.


1. Nicht alles ist im Kühlschrank am besten aufgehoben 

Fridge

Der gute alte Kühlschrank ist der Mittelpunkt jeglicher Lebensmittelaufbewahrung. Prinzipiell gehört in ihn alles was schnell verdirbt. Dabei ist dein Kühlschrank ein viel ausgeklügelteres System, als viele von uns wissen.

Weil Wärme nach oben steigt, ist das oberste Kühlfach mit circa 8 °C am wärmsten und besonders für gut verpackte Speisereste und länger halbare Lebensmittel geeignet. Geöffnete Verpackungen lagerst du am Besten bei 5 °C im Mittelfach deines Kühlschranks. Mit rund 2°C sind die unteren Fächer die kühlsten und somit für leicht verderbliche Lebensmittel gedacht. Obst und Gemüse werden hier am besten vor Licht, Hitze und Feuchtigkeit geschützt und bleiben so länger frisch.

Aber nicht alle Obst- und Gemüsesorten sind im Kühlschrank am Besten augehoben. Während Beeren, Kirschen, Blattsalate, Pilze und Spargel von der künstlichen Kälte provitieren wirkt sich diese auf die Haltbarkeit und das Aroma von Exoten wie  z.B. Zitrusfrüchten oder Bananen negativ aus. Auch die Tomate fühlt sich in der kalten Umgebung überhaupt nicht wohl: Sie verliert schneller an Aroma und fängt leichter an zu schimmeln. Ideal ist eine Umgebungstemperatur von 15 °C – wie z.B. im Keller oder der Speisekammer – aber auch bei Zimmertemperatur hält sich das empfindliche Fruchtgemüse sehr viel länger frisch als im Kühlschrank. Das gleiche gilt für andere wässrige Gemüsearten wie beispielsweise Gurken, Paprika, Auberginen und Zucchini.


2. Bestimmte Obst- und Gemüsesorten getrennt von einander lagern

Was schon im Sandkasten festgeschriebenes Gesetz war gilt auch bei dir in der Küche: Nicht jeder verträgt sich mit jedem. Äpfel, Bananen und Tomaten stoßen Ethylen aus, ein chemischer Stoff, der für Obst und Gemüse in ihrer Umgebung als Reifebeschleuniger wirkt. Besonders Bananen und Äpfel beschleunigen den gegenseitigen Reifungsprozess wenn du sie nebeneinander aufbewahrst und werden somit schneller braun und matschig. Gerade diese beiden Früchte solltest du deswegen unbedingt in getrennten Körben aufbewahren (Wenn diese Info zu spät für deine Bananen kommt: Verwende deine überreifen Bananen doch einfach für saftiges Bananenbrot!)

Natürlich kannst du den Ethylen-Effekt bei unreifem Obst und Gemüse aber auch für dich nutzen:  Besonders Birnen, Kiwis und Tomaten reagieren sehr stark auf Ethylen und werden in der Umgebung von Äpfeln und Bananen deutlich schneller reif.


3. Brot und Champignons ohne Plastikverpackung aufbewahren

Pilze aufgeschnittenes brot

 

Auch wenn sie oft darin verkauft werden, sind Brot und Champignons in Plastikverpackungen definitiv falsch aufgehoben. Pilze und Brot müssen atmen können und fangen deswegen in luftdichten Verpackungen schnell an zu schimmeln. Am Besten kaufst du Brot beim Bäcker anstatt fertig verpackt im Supermarkt und Pilze in einer Papiertüte. So vermeidest du nicht nur Plastik, sondern nimmst auch gleich die richtigen Lagermaterialen mit nach Hause. In Papier eingeschlagen hält sich beides nämlich deutlich länger frisch. Ist die Plastikverpackung beim Einkaufen unvermeidbar, solltest du  Pilze  daheim  in ein Geschirrtuch einschlagen und Brot am Besten in einem speziellen Brotkasten aufbewahren.

Tipp: Pilze nehmen sehr leicht fremde Gerüche an, weswegen sie besser nicht neben geruchsintensiven Lebensmitteln  wie zum Beispiel Käse* aufbewahrt werden sollten.


4. Salat und Kräuter in feuchte Geschirrtücher wickeln

Rosmarinstrauch Löwenzahnblätter

 

Für Salate und Spinat gilt genau das Gegenteil: Papiertüten entziehen dem Gemüse, welches zu rund 92% aus Wasser besteht, schnell Feuchtigkeit und die Blätter werden schrumpelig und trocknen aus. Auch Mangold und Kräuter solltest du deswegen daheim aus der Papiertüte auspacken und mit einem feuchten Geschirrtuch umwickelt oder in einer Tasse mit etwas Wasser im Gemüsefach aufbewahren.


5. Knollen vertikal lagern

Hast du schonmal von der sogenannten Sandlagerung gehört? Knollengemüse wie Zwiebeln, Kartoffeln, Karotte, Radieschen werden dabei vertikal, als wie sie in der Natur wachsen, aufbewahrt. Dafür wird eine Holzkiste mit trockenem Sand befüllt und die Knollen mit der Spitze nach unten darin aufbewahrt. Im Keller oder an einem anderen kühlen Ort hält sich das Gemüse so mehrere Monate frisch und knackig.

Wenn du keinen Keller besitzt und dein Gemüse auch nur für einige Tage frisch bleiben soll, probiere einmal diesen Aufbewahrungstipp für den Kühlschrank aus: Eine Tasse zu circa 1/3 mit  Wasser füllen und die Karotten hineinstellen. So bleiben sie mindestens für eine Woche knackig und frisch. Kartoffeln und Zwiebeln dann aber doch besser einfach in einer dunklen Schublade verstauen.

Tipp: Bei Karotten das Grün am besten direkt nach dem Einkaufen entfernen, da es sonst dem Gemüse die Feuchtigkeit entzieht. Wegschmeißen solltest du es aber auf keinen Fall! Karottengrün kannst du wunderbar zum Würzen von Salaten und Suppen verwenden oder als Karottengrünpesto zu Nudeln essen.


6. Angebrochene Konservendosen umfüllen

Die große Dose Kidneybohnen war doch zu viel des guten, trotz der riesigen Portion Chili sin Carne gestern Abend? Tja dann ab damit in den Kühlschrank. Aber bitte fülle die restlichen Bohnen davor in ein Glas um! Aus dem Weißblech der Dose kann ungesundes Zinn in das Lebensmittel übergehen. Zwar sind heutzutage die meisten Konservendosen von innen mit Plastik beschichtet aber auch diese Beschichtung steht wegen der enthaltenen Chemikalie BPA in der Kritik. Der hormonähnliche Stoff kann sich bei Kontakt mit Lebensmitteln aus der Plastikschicht lösen und bereits in winzigen Mengen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt nehmen. Verschiedene Studien haben ergeben, dass BPA in unserem Körper zu einer beeinträchtigten Fortpflanzungsfähigkeit, Herzkreislauferkrankungen, Leberproblemen und Diabetes führen kann.

In vielen Supermärkten werden Bohnen und Dosengemüse in der Bioabteilung mittlerweile auch im Glas angeboten, damit bist du definitiv auf der sicheren Seite. Wenn du Konserven nur in der Dose findest, fülle sie – sofern du sie bald verwenden möchtest – am besten daheim direkt in ein Schraubglas um und beware dieses im Kühlschrank auf.


 

*Du fragst dich, warum ich auf einem veganen Blog über tierische Lebensmittel rede? Gerade bei tierischen Produkten liegt mir ein achtsamer Umgang damit besonders am Herzen. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn möglichst viele den Konsum boykottieren würden. Ein erster Schritt ist es aber auch, diesen Nahrungsmitteln einen höheren Stellenwert zu geben und sie bewusster zu konsumieren. Besonders bei Eiern, Milch und Co. ist es mir wichtig, dass sie nicht im Müll landen, deswegen gehe ich in diesem Beitrag auch auf tierische Nahrungsmittel ein, auch wenn ich persönlich deren Konsum nicht unterstützen möchte.