235 Eier isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. 2/3 und somit die deutliche Mehrheit davon landen aber nicht als obligatorisches Frühstücksei auf unserem Tisch, sondern bleiben in Form von Bindemitteln und Geschmacksträgern in verarbeiteten Lebensmitteln für uns Verbraucher eher unerkennbar. Auch in ganz unerwarteten Industriezweigen kommen jährlich Unmegen von Eiern zum Einsatz: Die Pharmaindustrie benötigt beispielsweise allein 300 Millionen Eier pro Jahr zur Herstellung von Grippeimpfstoffen. Unter dieser enormen Nachfrage leiden natürlich in erster Linie die Hennen selbst.

Diesen Beitrag wollen wir dir als Leitfaden für einem bewussteren Eierkauf- und konsum an die Hand geben. Wir erklären dir zum Beispiel welche Informationen sich hinter dem Erzeugercode auf dem Ei verbergen und wieso die Haltungsbedingungen in der Legehennenhaltung oftmals ähnlich inakzeptabel wie jene in der Fleischindustrie sind. In unserem Einkausguide am Ende des Artikels erfährst du, worauf du im Supermarkt und in der Küche im Sinne eines tiergerechteren Umgangs mit diesem Lebensmittel achten kannst.*


Kennzeichnungspflicht

Jedes Ei in Europa muss laut EU-Verordnung mit einem sogenannten Erzeugercode gekennzeichnet sein, der dem Käufer Informationen über die Haltungsbedingungen geben soll, in denen das jeweilige Ei gelegt wurde.

Ei Erzeugercode
  • Die erste Zahl gibt Auskunft über die Haltungsform in der die Legehenne gehalten wurde.
  • Die Buchstaben geben Auskunft über das Herkunftsland (zum Beispiel DE für Deutschland).
  • Die nächsten beiden Zahlen geben an, aus welchem Bundesland das Ei stammt.
  • Die nachstehenden Ziffern bezeichnen den Betrieb.

Diese Kennzeichnungsregelung gilt allerdings nur für frische Eier. Sobald das Ei verarbeitet ist, endet die Transparenz über die Herkunft. Woher die Eier in Lebensmitteln wie Kuchen und Co. stammen, ist für uns Endkonsumenten also nicht mehr nachzuvollziehen. Da der wirtschaftliche Ertrag in der Lebensmittelindustrie an erster Stelle steht, werden hierfür in den meisten Fällen Eier aus Käfig- oder Bodenhaltung verwendet. Nur bei Bio-Produkten kannst du sichergehen, dass auch die verarbeiteten Eier aus ökologischer Tierhaltung stammen.

1. Haltungsformen

In Deutschland sind 4 verschiedene Haltungsformen für Legehennen zugelassen. Dabei deklariert die Ziffer 3 ein Ei aus Käfighaltung, 2 steht für Bodenhaltung, 1 für Freilandhaltung und 0 für Hennen aus Biohaltung.

2. Herkunftsland

Angaben über das Herkunftsland findest du sowohl auf dem Eierkarton als auch auf dem Ei selber. Achtung: Lediglich die Kennzeichnung auf dem Ei selbst ist ausschlaggebend für dessen Herkunft! Wurde das Ei beispielsweise in Polen gelegt aber in Deutschland verpackt, darf auf dem Eierkarton trotzdem DE für Deutschland stehen. Willst du auf Nummer sicher gehen, wirf also besser immer einen Blick in den Eierkarton.

3. Herkunftsbundesland

Für die Kennzeichnung des Bundesland, in dem das Ei gelegt wurde, gilt in Deutschland folgende Zahlenkennung:

01 = Schleswig-Holstein 09 = Bayern
02 = Hamburg 10 = Saarland
03 = Niedersachsen 11 = Berlin
04 = Bremen 12 = Brandenburg
05 = Nordrhein-Westfalen 13 = Mecklenburg-Vorpommern
06 = Hessen 14 = Sachsen
07 = Rheinland-Pfalz 15 = Sachsen-Anhalt
08 = Baden-Württemberg 16 = Thüringen

4. Herkunftsbetrieb

Mit Hilfe der Suchfunktion des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen kannst du jedes Ei bis zum Betrieb nachverfolgen. Auch Inhaber und Adresse sind dort hinterlegt.


Die Schattenseiten der Eierproduktion

Unnatürliche Haltungsformen

Auch wenn für uns Verbraucher zumindest die Haltungsbedingung in Freiland- und Biohaltung artgerecht klingen, können die Tiere in keiner der vier Haltungsformen ihr natürliches Verhalten ausleben. Hühner sind soziale Vögel und haben ein natürliches Bedürfnis nach Hierarchien, auch als sogenannte Hackordnung bekannt. Damit diese hierarchischen Strukturen funktionieren, darf die Gruppe an Tieren eine Maximalanzahl von 100 Hennen nicht überschreiten. In Betrieben mit bis zu 6.000 Tieren kann diese Hierarchie nicht aufrechterhalten werden. Ständige Rangkämpfe stehen dem zu Folge an der Tagesordnung, welche bei den Tieren oft zu sozialem Stress und Verhaltensstörungen (wie zum Beispiel gegenseitigem Federpicken und Kannibalismus) führen.

Legehennenhaltung

Gesundheitliche Folgen der Überzüchtung

Die heutige Jahresleistung des modernen Hochleistungshuhn, welches bis zu 320 Eiern pro Jahr legt, entspricht in keiner Weise mehr dem natürlichen Rhythmus der Tiere. Ein Wildhuhn brachte es einst auf nur 20 bis 60 Eier pro Jahr.

Diesem enormen Anstieg geschuldet leiden Legehennen heutzutage häufig an Erkrankungen der Gebärmutter, welche mit dieser Anzahl an zu legenden Eiern schlichtweg überfordert ist. Bleibt in Folge dessen ein Ei an der Gebärmutterwand kleben, wird diese beim Legen mit herausgezogen. Sozialer Stress führt dazu, dass andere Hennen beginnen danach zu picken und die betroffene Henne schließlich verblutet oder an einer Infektion stirbt. Auch die Knochen von Legehennen leiden unter der heutigen Überzüchtung. Weil aus ihnen überproportional viel Kalzium zur Bildung der Eierschalen gezogen wird, werden sie spröde und brechen sehr viel schneller, als es in der Natur der Fall wäre.

Durchschnittlich 15% der Tiere in deutschen Legehennenbetrieben erleiden durch die Folgen der Überzüchtungs- und Haltungsbedingungen einen frühzeitigen Tod.  Im Jahr 2018 waren es somit allein in Deutschland circa 2,5 Millionen Tiere. Gesunde Legehennen werden geschlachtet sobald ihre Legeleistung abzunehmen beginnt, was durchschnittlich nach circa 12-15 Monaten der Fall ist. Die natürliche Lebenserwartung einer Henne liegt dagegen bei rund 8 Jahren.

Küken

Der größte Verlierer: Die männlichen Küken

Eine noch deutlich kürzere Lebenserwartung haben männliche Küken aus der Eierproduktion. Um möglichst viel Ertrag zu erzielen, werden Legehennen heute gezielt daraufhin gezüchtet, dass möglichst viel der Energie in ihrem Körper in die Eierproduktion fließt. Demnach sind die Tiere meist sehr mager und legen nur sehr schlecht Fettgewebe an.

Für die männlichen Küken dieser Zuchtlinien bedeutet das den Tod: Ein magerer Hahn ist im Vergleich zu einem auf extrem schnelles Wachstum gezüchtetes Masthybridhuhn wirtschaftlich gesehen wertlos. Zum Vergleich: Ein Masthybridhuhn wiegt nach 30 Tagen etwa 2.100 Gramm, ein Hahn aus Legehennenzucht lediglich um die 850 Gramm. So werden allein in Deutschland pro Jahr 45 Millionen männliche Küken direkt nach der Geburt vergast oder gerschreddert. Wer die Eierindustrie unterstützt, fördert also automatisch auch die Tötung von nur minutenalten Tieren.

Verschiedene Initiativen setzten sich mittlerweile für die sogenannte Bruderhahn-Aufzucht ein. Hier werden die männlichen Küken trotz geringem wirtschaftlichen Nutzen aufgezogen und die Konsumenten beteiligen sich durch Preisaufschläge auf die Eier an den Futtermehrkosten der Hähne. Eine Übersucht der verschiedenen Initiativen und den jeweiligen Bezugsorten findest du zum Beispiel hier. Vergessen sollte man dabei allerdings trotzdem nicht, dass auch diese Hähne nach rund 18 Wochen geschlachtet werden und in unseren Supermarktregalen landen.


Guide für den Eierkauf

Den Konsum reduzieren

Gerade beim Backen lassen sich Eier im Kuchenteig zum Beispiel ganz einfach durch aufgequollene Lein- oder Chiasamen ersetzten. Das Schweffelsalz Kalanamak verleiht Gerichten eine authentische Eiernote, ohne dass dabei tierische Produkte verwendet werden.

Einkaufsquelle richtig wählen

Der extreme Preiskampf im konventionellen Lebensmittelhandel setzt die Produzenten unter enormen finanziellen Druck. Dieser äußert sich dann meist in Form von Einsparungen bei der Tierhaltung- und Versorgung. Am meisten Transparenz über die Haltungsbedingungen und faire Preise findest du  auf dem Wochenmarkt.

Bio

Bio bevorzugen

Von allen Haltungsformen in der Eierindustrie hat die Biohaltung die strengsten Tierschutzauflagen. Besonders der Verband Demeter setzt sich für eine artgerechtere Haltung ein und vertritt von allen Bio-Siegeln die strengsten Richtlinien.

Die Aufzucht von männlichen Küken unterstützen

Bei einem durchschnittlichen pro-Kopf-Konsum von 10 Eiern pro Monat, müsste jeder von uns für Bio-Eier von Betrieben mit Bruderhahn-Aufzucht nur etwa 4 Euro mehr bezahlen, als für Eier aus dem Discounter. Das entsprecht dem Preis eines mittleren Cappuccinos bei Starbucks.

Mindesthaltbarkeitsdatum überdenken

Entgegen der weit verbreiteten Meinung gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht an, ab wann ein Lebensmittel in den Müll gehört. Viel mehr dient es zur Orientierung, bis mindestens wann ein Produkt seine ursprüngliche Konsistenz, Farbe und den Geschmack beibehält. Eier sind aber oftmals noch bis zu einen Monat darüber hinaus genießbar. Mit diesem einfachen Trick kannst du sehen, ob  ein Ei noch essbar oder bereits schlecht geworden ist.


 

*Falls du dich fragst, wieso wir auf einem Blog auf dem wir Veganismus propagieren Tipps zum Kaufen von Eiern geben: Wir müssen leider realistisch bleiben. Nicht jeder verzichtet aufgrund von transparenten Informationen über die Haltung und Herstellung von tierischen Produkten auf diese Lebensmittel. Auch wenn es unser oberstes Ziel ist andere Menschen für eine vegane Lebensweise zu begeistern sind wir der Ansicht, dass viele Menschen eher für Schritt-für-Schritt-Handlungen bereit sind, als für drastische Veränderungen in ihrem Leben. Wir hoffen mit solchen Beiträgen Transparenz über die Zustände in der Tierindustrie zu schaffen und andere auf dem Weg zu einem tierleidfreien Leben zu begleiten. Egal in welcher Phase sie sich gerade befinden.