Unser Kassenbon ist ein Stimmzettel: Jeden Tag entscheiden wir durch unser Konsumverhalten aktiv mit, welche Ressourcen und Arbeitsbedingungen gefördert werden – oder eben auch nicht. Wo wir uns das nächste Sommerkleid kaufen und was im Supermarkt in unserem Einkaufskorb landet hat also nicht nur Einfluss auf unser eigenes Leben. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot – Und das gilt eben nicht nur für große Investitionen, sondern für jeden einzelnen Euro der über die Ladentheke geht.

Welche Wirtschaftssektoren und Unternehmen wir mit unserem Geld unterstützen liegt aber nicht immer in unserer eigenen Hand: Banken verdienen mit den angelegten Ersparnissen von Kunden indem sie sie verwalten und reinvestieren. In Form von Aktienbeteiligungen, Anleihen, Krediten und Spekulationen fließt das Geld in der Regel dorthin, wo sich die Banken hohe Gewinne versprechen – Also primär in globale Konzerne, Großprojekte und renditenstarke Produkte. Besonders gewinnstarke Industriesektoren sind dabei unteranderem der Abbau fossiler Brennstoffe und die Rüstungs- und Waffenindustrie.

1. Banken und der Klimawandel

Die Umweltorganisation Rainforest Action Network hat in ihrem jährlichen Bericht Banking on climate change kürzlich veröffentlicht, welche Banken besonders stark an der Finanzierung fossiler Energiegewinnung und somit am Klimawandel beteiligt sind. Vorreiter im Bereitstellen von Finanzdienstleistungen für Öl- und Gasprojekte ist der Wall-Street Riese JP Morgan. Insgesamt 196 Milliarden Dollar des Konzerns flossen zwischen 2016 und 2018 in Unternehmen, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen. Neben den umweltschädlichsten und menschenunwürdigsten Finanzierungen von Banken auf der ganzen Welt listet Rainforest Action Network außerdem 16 internationale Unternehmen auf, die sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Klimaschutz und Menschenrechten massiv entziehen. Vertreten sind unteranderem der weltweit operierende Energiekonzern Chevron, das britische Mineralölunternehmen BP, das niederländische Mineralöl- und Erdgasunternehmen Shell und der weltweit größte Erdgasförderkonzern Gazprom. Elf von diesen Unternehmen hat JP Morgan zwischen 2016 und 2018 finanziell unterstützt.

Auch in Deutschland machen Banken durch Investitionen in ethisch fragwürdige und umweltschädigende Industriezweige Gewinne. Die Deutsche Bank landet auf der Liste der größten Umweltsünder unter den Banken immerhin auf Platz 17. Zwar hat der Konzern die Finanzierung von fossilen Energien seit dem Pariser Klimabkommen 2016 stetig reduziert – 2018 unterstützte das Unternehmen diesen Sektor aber immer noch mit 14, 6 Milliarden Euro. Insbesondere bei der Öl- und Gasförderung in der Arktis gehört die Deutsche Bank außerdem nach wie vor zu den führenden Finanziers.

2. Banken und die Rüstungsindustrie

Banken Rüstungsindustrie

Grafik von Facing finance und Urgewald

Neben der Gewinnung fossiler Brennstoffe ist leider auch die Rüstungs- und Waffenindustrie nach wie vor ein sehr gewinnbringender Wirtschaftssektor. Insbesondere die Finanzierung von Rüstungsgeschäften für den Nahen Osten hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, denn Rüstungsaktien gelten in Krisenzeiten als „stabile“ Investitionen. Ein spezieller Deal sorgte in den letzten Jahren für besonders viele Schlagzeilen: Die UniCredit Group – zu der unteranderem die HypoVereinsbank zählt – gewährte dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin einen 750-Millionen-Euro-Kredit. Lockheed Martin stellt seine Produkte in erster Linie Staaten bereit, die im Jemen Krieg führen.  Auch die Commerzbank, die Deutsche Bank und das Versicherungsunternehmen Allianz sind derzeit in die Finanzierung dieses Kriegs verwickelt.

3. Banken und der Welthunger

Auch Finanzmarktspekulationen mit Nahrungsmitteln stehen bei Banken hoch im Kurs. Laut einer Studie der Verbaucherschutzorganisation Foodwatch können besonders Termingeschäfte die Preise von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Reis stark beeinflussen. Höhere Lebensmittelpreise nehmen dabei in Entwicklungsländern einen ganz anderen Stellenwert als in den Industrienationen ein: Ein deutscher Haushalt gibt durchschnittlich weniger als 15% des Einkommens für Nahrungsmittel aus, in Entwicklungsländern liegt der Anteil dagegen mitunter bei 80%. Jeder Cent mehr für ein Kilogramm Reis kann für diese Menschen also existenziell sein. Welche Folgen Termingeschäfte und künstlich hervorgerufene Engpässe von Rohstoffen haben können, zeigt zum Beispiel dieser Fall aus dem Jahr 2010. Als Folge von Spekulationsgeschäften stieg damals der Preis für Kakao innerhalb von nur einem Jahr um 50% an.

4. Check deine Bank!

Für den Großteil ihrer Finanzierungsgeschäfte sind für Banken natürlich primär größere Geldbeträge von Anlegern interessant. Aber auch wenn du noch kein festes Einkommen hast und bisher nur über ein Girokonto verfügst unterstützt du den Fortbestand dieser Finanzierungen bereits durch die Tatsache, dass du Kunden bei einer dieser Banken bist und ihre Dienstleistungen in Anspruch nimmst.

Wenn du einmal einen prüfenden Blick auf dein Bank werfen möchtest, lohnt sich ein Besuch der Seite Fair Finance Guide. Die NGO hat die Finanzierungsgeschäfte von Deutschlands größten Banken auf verschiedene ethische und umwelttechnische Aspekte überprüft und die Banken für jede Kategorie in einer Art Ampelsystem aufgeführt. Auf der Website findest du zum Beispiel ausführliche Informationen darüber, welchen Stellenwert Themen wie beispielsweise der Klimaschutz, die Förderung fossiler Energien und Menschen- bzw. Arbeitsrechte bei den jeweiligen Unternehmen einnehmen. Auch die Bedingungen bei zwei bestimmten Banken kannst du hier direkt miteinander vergleichen.

5. Nachhaltige Bankalternativen

Am besten schneiden in nahezu allen Bereichen die 3 nachhaltigen Banken GLSEthic Bank und Triodos Bank ab. Anstatt in Gas- und Ölgewinnung und die Rüstungsindustrie investieren diese Konzerne zum Beispiel in die Energiewende, soziale Projekte wie Bildung und Pflege und die Stärkung der biologischen Landwirtschaft. PULS hat in einer Videoreportage kürzlich sowohl konventionelle als auch nachhaltige Banken in den Punkten Gebühren, Anzahl der Automaten und persönliche Beratung miteinandern verglichen. Das Ergebnis: Auch im Thema Kundenservice stehen ethischen Banken den konventionellen in nichts nach. Den ganzen Beitrag kannst du dir hier auf Youtube ansehen.

6. Fazit

Wie so oft in der Wirtschaft heißt es also auch bei Banken: Es wird demjenigen gedient, der das meiste Geld verspricht. Wieviel genau dabei in welchen Industriezweig investiert wird ist für uns Kunden meist nur sehr schwer erkennbar, denn den Banken fehlt es derzeit vor allem an Transparenz. Immer mehr Enthüllungen in den letzten Jahren setzen die Konzerne zwar zunehmen unter Handlungsdruck, viel geschehen ist seitdem allerdings nicht. Wer sein Geld im Sinne der Umwelt und Menschenwürde anlegen möchte, sollte solange also besser auf eine alternative Bank ausweichen.